
Wenn in unserer Region Martinshörner zu hören sind oder Einsatzfahrzeuge ausrücken, steckt dahinter ein durchdachtes System: die Gefahrenabwehrstufen (GAS) mit ihren Meldebildern. Aber was bedeuten diese Begriffe eigentlich? Dieser Artikel erklärt, wie die Integrierte Leitstelle die richtigen Kräfte zum richtigen Einsatz schickt.
Die Gefahrenabwehrstufen ersetzen bisherige Einsatzarten
Dieses neue System erweitert und präzisiert ab 2026 unser bisheriges System an Einsatzarten.

Was sind Gefahrenabwehrstufen?
Die Gefahrenabwehrstufe beschreibt, wie groß und gefährlich ein Einsatz ist. Sie besteht aus einem Buchstaben und einer Zahl – zum Beispiel B2 oder H3. Der Buchstabe gibt die Art des Einsatzes an, die Zahl zeigt die Dimension des Ereignisses und die angeforderten Einsatzmittel.
Die Einsatzarten:
- B = Brand
- H = Hilfeleistung (z.B. Verkehrsunfälle, Menschenrettung)
- G = Gefahrstoff (z.B. Ölspuren, Chemikalien)
- A = Atomar (z.B. Strahlenschutzeinsatz)
Die Stufen:
- 0 = Erkundung oder Einsätze ohne konkrete Gefahr (z.B. Brandnachschau)
- 1 = Kleiner Einsatz mit geringem Personalbedarf(z.B. Brand eines Papierkorbes, Ausleuchten)
- 2 = Mittlerer Einsatz mit erhöhtem Kräftebedarf (z.B. Flächenbrand, Person im Wasser)
- 3 = Größerer Einsatz, oft mit Menschengefahr (z.B. Wohnungsbrand, Chlorgasaustritt)
- 4 = Großer Einsatz mit hohem Gefährdungspotential (z.B. Dachstuhlbrand, Einsturz)
- 5 = Sehr großer Einsatz, oft mit besonderer Gefährdungslage (z.B. Brand in Tiefgarage, Unfall Schienenfahrzeug)
- Y = Ergänzung der Stichworte (insbesondere im Brandeinsatz) wenn bestätigt Menschenleben in Gefahr sind.
Was ist ein Meldebild?
Das Meldebild beschreibt konkret, was passiert ist – zum Beispiel „Zimmerbrand“, „Person eingeklemmt“ oder „Ölspur auf Fahrbahn“. Es hilft der Leitstelle, je nach Lage immer die richtigen Kräfte zu alarmieren.
Es hilft auch den Einsatzkräften, sich schon auf der Anfahrt mental auf mögliche Herausforderungen und Gefahren einzustellen. Inbesondere Hilfeleistungs- und Gefahrstoffeinsätze brauchen ganz unterschiedliche Herangehensweisen.
Beispiele aus dem Alltag
B1 – Kleinbrand Kleinbrand im Freien, Flächenbrand klein, PKW-Brand innerorts,
Alarmierung: Ein Löschfahrzeug
H1 – Kleine Hilfeleistung Tierrettung, Wassereinbruch, Sturmschäden, Tragehilfe
Alarmierung: Ein Hilfeleistungsfahrzeug
G1 – Kleine Gefahrstofflage Ölspur, Öl auf Gewässer
Alarmierung: Ein Löschfahrzeug
B5 – Großbrand Tiefgaragenbrand, Brand im Mehrfamilienhaus, Brand in Pflegeheimen
Alarmierung: Vier bis fünf Löschfahrzeuge, Drehleiter, zwei Einsatzleitwagen
H4 – Schwere technische Rettung Person eingeklemmt (LKW), Einsturz/Explosion, Person verschüttet
Alarmierung: Zwei Hilfeleistungsfahrzeuge (HLF oder Rüstwagen), ggf. Drehleiter, Einsatzleitwagen.
G3 – Größere Gefahrstofflage Austritt von Ammoniak, Chlorgas oder größere Mengen Säure
Alarmierung: Zwei Löschfahrzeuge, Rüstwagen, Gefahrgut-Zug, Fachberater, Einsatzleitwagen
Warum dieses System?
Die Gefahrenabwehrstufen sorgen dafür, dass bei jedem Notruf schnell und präzise die richtigen Einsatzkräfte und -mittel alarmiert werden. Sie sorgen außerdem dafür, dass sofern sich ein Einsatz als größer herausstellt, dieser vom Einsatzleiter auf die entsprechende Gefahrenabwehrstufe angepasst werden kann. Diese Eskalation sorgt dann automatisch für eine Nachfalarmierung der jeweils benötigten Einsatzkräfte und -mittel.
Das System schützt dabei nicht nur die Bevölkerung, sondern auch die Einsatzkräfte: Niemand wird mit zu wenig Personal in eine gefährliche Situation geschickt, aber es werden auch keine unnötigen Kräfte gebunden, die anderswo dringender gebraucht werden könnten.
Und wenn ein Fahrzeug bereits im Einsatz ist?
Wenn ein Fahrzeug der Feuerwehr beispielsweise in der Werkstatt steht, oder sich bereits bei einem anderen Einsatz befindet, wird das über Digitalfunk automatisch der Leitstelle gemeldet. Der Einsatzleitrechner erkennt in diesem Fall dass die benötigte Komponente nicht verfügbar ist und alarmiert automatisch das nächstgelegene gleichartige Fahrzeug.
So kann es zum Beispiel sein, dass die Drehleiter aus Backnang aktuell bei einer Hilfeleistung in Oppenweiler eingesetzt wird, es aber in Backnang zu einem Brand kommt. In dem Fall wird automatisch die Feuerwehr Winnenden mit ihrer Drehleiter mitalarmiert, um möglichst schnell das passende Einsatzfahrzeug an der Einsatzstelle zu haben.
Was bedeutet das bei einem Notruf?
Beim Wählen der 112 ist es wichtig, möglichst genau zu beschreiben, was passiert ist. Die Leitstelle stellt gezielte Fragen, um das richtige Meldebild zu erkennen. Die Alarmierung erfolgt immer nach Einschätzung der Größe des Einsatzes und damit verbunden der potenziellen Gefahr. Je präziser die Angaben sind, desto besser kann die Feuerwehr helfen.
Gut zu wissen: Die dargestellten Gefahrenabwehrstufen gelten für die Feuerwehr Backnang und den Rems-Murr-Kreis. Andere Feuerwehren und Regionen können abweichende Systeme verwenden.