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Struktur im Großeinsatz – Führungsgruppe Aspach/Backnang (AB) neu aufgebaut

16. März 2026 Allgemein

Ein Regionalzug entgleist am frühen Morgen – mehrere Waggons liegen im Böschungsgelände, Dutzende Verletzte, einige noch eingeklemmt. Die ersten Kräfte sind schnell vor Ort und sofort gebunden: retten, bergen, löschen. Doch der Einsatz wächst. Rettungshubschrauber müssen koordiniert werden, die Bahnstrecke gesperrt, Anwohner informiert, Einsatzkräfte aus dem ganzen Landkreis angefordert. THW, DRK, Notfallseelsorge, Bundespolizei – alle auf einmal. Und über allem die Frage: Wer hat gerade den Gesamtüberblick – und wer entlastet den Einsatzleiter, damit er ihn behalten kann? So lautete eines der Szenarien, mit denen die neu aufgebaute Führungsgruppe Aspach/Backnang 2026 im Rahmen eines viertägigen Lehrgangs auf den Ernstfall vorbereitet wurde. Genau das ist ihre Aufgabe: im Hintergrund unterstützen, damit vorne alles läuft.

Erfolgt eine Alarmierung, sind die ersten Farhrzeuge der Feuerwehr schnell vor Ort und legen direkt los. Wenn ein Einsatz dann in seiner Größe und Komplexität eskaliert, muss die Organisation gleichsam von hinten nachwachsen, um die Übersicht im Einsatzgeschehen zu behalten. Die Führungsgruppe unterstützt den Einsatzleiter und die Führungskräfte, indem sie Informationen zusammenträgt, bewertet und aufbereitet – damit Entscheidungen auf einer soliden Grundlage getroffen werden können.

Sie führt und aktualisiert die Lagekarte, koordiniert das Fernmeldewesen, hält den Kontakt zu anderen Organisationen wie THW, DRK oder der Stadtverwaltung und übernimmt bei langen Einsätzen die Organisation von Verpflegung, Ablösen und Unterkünften. Kurz: Sie hält denen den Rücken frei, die an der Einsatzspitze stehen.

Vier Tage Ausbildung – Theorie trifft auf echte Szenarien

In einem viertägigen Lehrgang – zwei Tage Theorie, zwei Tage praktische Übung bei eisigen Temperaturen – wurde die neu zusammengestellte Gruppe erstmals gemeinsam von Kurt Zoller ausgebildet, der vielfältige bewährte Erfahrung aus seiner Arbeit im Landratsamt Ludwigsburg mitbrachte. Der Theorieteil gab dabei einen detaillierten Einblick in die Feuerwehr-Dienstvorschrift 100 (FwDV 100) nach der sich das Führungssystem bundeseinheitlich richtet, so dass die Organisationen auch übergreifend zusammenarbeiten können.

Da die Führungsgruppe auch Schnittstelle zu andere Blaulichtorganisation, Presse oder kommunale Versorger ist, war der vertiefte Einblick in deren Strukturen erkenntnisreich für die Feuerwehrkräfte. Dennis Drischel stellte sich dabei in seiner Rolle als „Organisatorischen Leiter des Rettungsdienstes  (OrgL)“ vor, der in einer Großschadenslage insbesondere die medizinische Versorgung von Verletzten koordiniert und mit den Ortskräften des DRK auch die Betreuung und Verpflegung von Einsatzkräften und Zivilpersonen sicherstellt. Für die Pressearbeit in Großschadenslagen gibt es im Rems-Murr-Kreis das speziell geschulte Team der „Interkommunale Zusammenarbeit Presse (IKZ Presse)“, das von Jan Guggolz vorgestellt wurde.

Die Szenarien der praktischen Übungen stammten dabei nicht aus dem Lehrbuch, sondern aus realen Einsätzen eines anderen Landkreises: neben dem Zugunglück, auch eine Bombenentschärfung, ein Brand in einer Speditionshalle und eine durch Feuer gefährdete Biogasanlage. In Rollenspielen wurden Abläufe durchgespielt, Kommunikationswege geprobt und das Zusammenspiel mit anderen Organisationen trainiert.

Besonders wertvoll war dabei die Zusammenarbeit mit der Drohnengruppe des THW Backnang. Gerade wenn ein Bereich aus Sicherheitsgründen gesperrt ist – wie bei einer Bombenentschärfung – kann die Drohne aus sicherer Entfernung aktuelle Lagebilder liefern, Gefahrenquellen wie Tanks oder Behälter schnell ausmachen und dank Wärmebildkamera auch das sehen, was dem Auge am Boden verborgen bleibt.

Leben in der Lage

Auch Überraschungsmomente und Druck gehörten zum Ausbildungsdrehbuch, denn ein Einsatz steht auch im echten Leben nie still. Was vor zehn Minuten galt, kann längst überholt sein – ein Feuer breitet sich aus, eine neue Gefahrenquelle tritt auf, ein Rettungsfahrzeug kommt nicht durch. Neue Kräfte treffen ein, Informationen widersprechen sich, Prioritäten verschieben sich.

Die Führungsgruppe muss deshalb nicht nur eine Momentaufnahme liefern, sondern permanent „in der Lage leben“: Den Überblick über Gefahren, Aufgaben und Ressourcen behalten und entsprechend kommunizieren und organisieren. Es geht darum, jederzeit ein aktuelles, verlässliches Bild der Gesamtsituation zu haben – denn nur wenn Einsatzleiter und Führungskräfte wissen, was gerade wirklich passiert, können sie vorausdenken und verantwortungsvoll handeln.

Gruppenbild erstellt mit der Drohne des THW.

Die gemeinsamen Herausforderungen haben die Gruppe zusammenwachsen lassen, und das ist am Ende das Wichtigste: Im Ernstfall muss man wissen, wo die jeweiligen Stärken liegen und auf wen man sich verlassen kann.